Das kleine, aber feine Schweizer Hilfswerk setzt sich nachhaltig für bedürftige Menschen in den abgelegenen Regionen der peruanischen Anden – rund um Cusco - ein. Nunmehr seit 15 Jahren!
Wie alles begann
Es begann im März 2010, während der Regenzeit in Peru. Die damals 28jährige Aarauerin, Danièle Turkier, befand sich auf einer sechsmonatigen Weltreise. Ihre Idee war, auf dem berühmten Inca Trail zum Machu Picchu zu wandern. Soweit sollte es allerdings nicht kommen: Erdrutsche und Überschwemmungen stürzten unzählige Menschen in eine grosse Not. Solche Bilder häufen sich leider bis zum heutigen Tag.
Die Verzweiflung und die Armut der betroffenen Menschen schockierten die junge Frau derart, dass sie sich couragiert beim Roten Kreuz vor Ort meldete. Die erste Woche sortierte sie Kleider und erfasste die betroffenen Familien. Parallel dazu sammelte sie in ihrem Umfeld in Aarau Geld. Doch wie soll dieses am sinnvollsten eingesetzt werden? Wie ist unnötiger Geldabfluss zu vermeiden? Sie besprach sich mit drei lokalen Freunden aus Cusco: Ana und Sonia (beide Krankenschwestern) und Juan (Psychologe). Die Idee eines eigenen Hilfswerks keimte und wurde Realität. Mit den ersten Spenden in Form von Salz, Pasta, Reis, Haferflocken und Zucker wurden Familien aus der Gemeinde Piñipampa, eine Stunde südlich von Cusco versorgt. Die Wahl des Ortes ergab sich daraus, dass die Menschen da bereits gut organisiert waren und Ansprechpersonen zur Verfügung standen. Die Bevölkerung erhielt bis anhin jedoch nur dürftige Unterstützung. Der Grundstein zur eigenen NGO Con Corazón war gelegt.

Nach ihrer Rückkehr in die Schweiz koordinierte Danièle Turkier ihre Hilfe per Internet. Sie stand, wenn irgendwie möglich, täglich mit ihren Supportern vor Ort in Kontakt. Die drei Peruaner operierten von Anas Zuhause aus. Sie unterstützten die Bevölkerung in Piñipampa regelmässig und brachten den Notleidenden Lebensmittel, Kleider und Medikamente. Schwerpunktthema ist und war die Gesundheit der Menschen. Die klimatischen Bedingungen sind anforderungsreich. Im Juni beginnt der Winter im Hochland und bringt nachts ziemlich tiefe Temperaturen von durchschnittlich 0° Celsius. Durch die hohe Feuchtigkeit und die schlecht isolierten sowie geheizten Innenräume fühlt es sich viel kälter an.
Danièle Turkier hat sich dank ihres kommunikativen Talents rasch vernetzt. Es gelang ihr, einerseits finanzielle Mittel zu generieren, um die Vision auch umsetzen zu können. Andererseits auch das Wirken ihrer Teams in Peru und in der Schweiz zu organisieren. Sie ist sich nach wie vor bewusst, ohne gleichgesinnte und engagierte Menschen, wäre ein so kontinuierlicher Support in Peru nicht möglich. Ihre Mutter, die bekannte und ehemalige Gastronomin, Katharina Turkier, belegte im 2010 gleich Spanischunterricht. Sie wollte all die spanisch ausgestellten Belege auch wirklich verstehen, denn sie übernahm die Buchhaltung! Diese sowie das Controlling sind auch heute noch ihre Aufgabe bei Con Corazón. Sie war auch praktisch aktiv als Vorreiterin für die «Mamas», die Strickerinnen in Peru. Mit ihrem Wissen lehrte sie die Frauen das Handwerk. Auf diese Weise können sie regelmässig mithelfen, das Einkommen der Familien zu verbessern – Hilfe zur Selbsthilfe. Unter der Leitung und Verantwortung von Ana entstehen aktuell Accessoires wie Pulswärmer, Schals, Mützen und Stirnbänder. Auch da hat Entwicklung stattgefunden. Heute sind sogar Strickmaschinen im Einsatz – auch dieses Handling verlangte den «Mamas» einigen Enthusiasmus ab. Den Vertrieb der aus reiner Alpaka-Wolle hergestellten Unikate liegt beim Schweizerischen Fair Trade Händler «El Tucan». An Märkten und über den Web-Shop sind die erstklassigen Kreationen zu erwerben.
In Peru wird Danièle Turkier zwischenzeitlich grossartig durch das Team um Dr. Saulo Gamarra unterstützt. Sie lernte ihn und seine Zahnarztpraxis durch seine eigene NGO «Dentist Serving the Poor - Latin America» (DSP-LA) kennen. Diese wurde später integriert in Con Corazón. Er ist Zahnarzt und heutiger Direktor in Peru von Con Corazón. Dank seines fundierten Fachwissens und seiner übereinstimmenden Überzeugungen setzt er gemeinsam entwickelte Ideen um und bringt sein Know-how ein. Das Medical Center entstand 2016 dank dem finanziellen Support des Rotary Club Aarau. Hier finden Menschen Unterstützung bei zahn- und medizinischen Problemen. So erhalten unterversorgte Gemeinden wichtige medizinische Dienstleistungen. Auf diese Weise verbessert sich der Zugang zur Gesundheitsversorgung. Das Angebot umfasst zudem ein einfaches Labor und eine Apotheke. Geschultes medizinisches Personal behandelt häufige Krankheiten, bietet Präventionsmassnahmen an und klärt die Bevölkerung über Hygiene- und Gesundheitspraktiken auf. Sie lernen fortwährend auch, dass sie sich selber Sorge tragen können. Das Verantwortungsbewusstsein nimmt zu.

Als weiterer Meilenstein geht die Installation von rauchlosen Metallöfen in die Geschichte ein. Es ist eine innovative Lösung anstelle der herkömmlichen Kochmethode am offenen Feuer. Reduziert sind damit Luftverschmutzung in Innenräumen und die Belastung durch Toxine, welche Atemwegserkrankungen begünstigen. Dieses Projekt konnte ebenfalls dank dem Rotary Club Aarau realisiert werden.

Im 2023 erfolgte ein grosser Erweiterungsschritt mit der mobilen Zahnklinik. Dies war möglich dank der grosszügigen Unterstützung des Sponsors Ivoclar. Anlässlich des 100jährigen Jubiläums wurde Con Corazón Teil des Ivoclar Joy Programms. Die mobile Zahnklinik reist zu ländlichen und marginalisierten Bevölkerungsgruppen. Angebote wie Prävention, Reinigung, Füllungen, Extraktionen und Mundgesundheitserziehung sind hier die grundlegenden Dienstleistungen. Freiwillige Zahnärzte, Zahnarzthelferinnen und Freiwillige mit unterschiedlichem Hintergrund sind unermüdlich im Einsatz.

Ein weiteres wichtiges Thema widmet Con Corazón aktuell der gesunden Ernährung. Kapp 50 % der unter fünf Jahre alten peruanischen Kinder leiden an Anämie (Blutarmut). In lokalen Schulen werden nährstoffreiche Mahlzeiten angeboten. Um die Mangelernährung zu bekämpfen werden die Kinder und ihre Familien angeleitet, die Zufuhr von Eisen zu bevorzugen. Auch wird das Wissen um den Anbau von Hülsenfrüchten, Obst, Eiweiss und Gemüse soweit wie möglich transferiert.
Con Corazón fungiert als NGO. Menschen aus Industrieländern, welche in den peruanischen Anden ein Volontariat machen möchten sind sehr wichtig, bringen sie doch Fachwissen, Ressourcen und neue Perspektiven in die lokalen Gemeinschaften.
2024 war ein Jahr der Konsolidierung. Die Programme wurden gestärkt. Das Wirken in den lokalen Gemeinschaften vertieft. Spannend zu sehen ist, dass die Bemühungen Früchte tragen. Natürlich gab und wird es auch Herausforderungen geben, die es zu meistern gilt. Um die Arbeit fortsetzen zu können, ist Con Corazón auf finanzielle Unterstützung angewiesen. Jeder Beitrag hilft, die Anstrengungen in den Bereichen Gesundheit, Ernährung und nachhaltige Entwicklung auszuweiten. Kleine und grosse Spenden sind herzlich willkommen.
Für 2025, dem Jubiläumsjahr, sind vor Ort diverse Aktivitäten geplant.
Januar 2025














